Kulturalismus und Biologismus

Kulturalismus proklamiert die Inkompatibilität bzw. die Notwenigkeit der Erhaltung der Verschiedenheit der Kulturen.

Das Verständnis von Kultur ist hierbei statisch und essentialistisch - was so viel bedeutet, wie es wird angenommen, dass ein Individuum eine angeborene Kultur hat, die es im Verlaufe seines Lebens nicht mehr ändern kann. In dieser Perspektive kann sich "Kultur" nicht verändern oder entwickeln und kann auch nicht erlernt werden. Indem unüberbrückbare Differenzen zwischen den Angehörigen verschiedener Kulturen statuiert werden, wird den systematisch schlechter gestellten Gruppen die Gleichheit ideologisch abgesprochen und deren Sonderbehandlung bzw. der Verzicht auf die Berücksichtigung von deren besonderen Bedürfnissen möglich. Migration wird als schädlich für das Individuum interpretiert.

Die ideologischen Rechtfertigungen basieren oftmals auf Biologismen. Diese manifestieren sich etwa in der Ansicht, bestimmte menschliche Gruppen hätten naturgemäss eine geringere Intelligenz, es gäbe „wertes“ und "unwertes Leben", Homosexualität sei eine krankhafte Andersartigkeit, aber auch Vorstellungen wie Frauen hätten eine "natürliche" Bindung zu Kinder- und Altenpflege. All diese Vorstellungen entbehren einer realen Grundlage. Sie werden jedoch als soziales Konstrukt ebenso wie biologistisch-rassistische Vorurteile weitervermittelt: Trotz anderslautenden Resultaten aus der Genforschung werden seit Jahrzehnten Menschen in "Rassen" eingeteilt. Genauso erfindet der kulturalistisch argumentierende Rassismus (oder eben Kulturalismus) „Kulturen“ für soziale Gruppen. Diese werden so definiert, dass sie als „natürlich“ erscheinen und angeblich unveränderbare und unüberwindliche Grenzen gegenüber anderen sozialen Gruppen mit sich bringen. Durch die Verbreitung solcher Konstrukte werden sozial ebenfalls nachhaltige Realitäten geschaffen.

 

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